Prüfen, warum?

Eingebaute Sicherheiten für Lastannahmen und Materialeigenschaften.

Alle Tragwerke von Gebäuden werden mit einem bestimmten Sicherheitsvorrat geplant. 

Diese Reserven sind durch Normen genauer festgelegt und berücksichtigen Abweichungen gegenüber planmäßigen Lasten oder Baustoffeigenschaften. 

Auch unzutreffende Systemannahmen oder eine altersbedingte Abnutzung können darüber abgefangen werden. Vermeidbare Fehler in der Planung oder Ausführung allerdings werden durch dieses Sicherheitssystem nicht abgedeckt. 

Selbst hoch qualifizierten und erfahrenen Ingenieuren kann in stressigen Situationen mal ein Irrtum unterlaufen. Unabhängige Kontrollen können solche Fehler aufdecken, noch bevor dadurch ein Schaden entsteht. 

Der Gesetzgeber hat sich in den Landesbauordnungen dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass Schäden infolge des Versagens baulicher Anlagen von Nutzern und von der Öffentlichkeit ferngehalten werden. Umgesetzt wird diese Verpflichtung in Deutschland über die unabhängige bautechnische Prüfung nach dem Vier-Augen-Prinzip. Diese Einrichtung wurde in den 20er Jahren eingeführt. Ausgangspunkt damals waren die noch neue Stahlbeton-Bauweise, genauer gesagt die Probleme, die damit zusammenhingen.

Gegenstand dieser vorbeugenden Schutzmaßnahme ist zum einen die vorgezogene Prüfung der statischen Berechnung. Zudem werden alle maßgebenden Konstruktionszeichnungen für die Ausführung in Augenschein genommen und der Schall- und Wärmeschutznachweis überprüft. In Baden-Württemberg ist seit 1995 überdies obligatorisch, die Ausführung vor Ort zu überwachen.

 

Mit dem Kostendruck wachsen auch die Risiken

Gerade Letzteres wird angesichts der strukturellen Umwälzungen, die das Bauwesen und hier gerade der Rohbaubereich im vergangenen Jahrzehnt erfahren hat, immer wichtiger. Nicht nur die Materialpreise sind gesunken, sondern auch die am Markt durchsetzbaren Mittel-Lohnsätze. Für den Bauherren bzw. den Auftraggeber mag das auf den ersten Blick erfreulich sein. Doch als Abgaben zahlender Bürger trägt er auch die Folgen. Denn hiesige Bauarbeiter werden immer öfter ersetzt durch Arbeitnehmer aus Billiglohnländern. Auf deutschen Baustellen arbeiten vielfach nur noch Subunternehmer aus dem Ausland. Die beauftragten Bauunternehmen aus Deutschland sind als solche kaum noch erkennbar; sie haben sich, der Not gehorchend, eines großen Teils ihres gewerblichen Personals entledigt und begnügen sich mit Management und Bauleitung. Die großen Baukonzerne sind ausgezehrt und haben keinerlei finanzielle Reserven mehr. Aus der einstigen Konjunktur-Lokomotive Bauwirtschaft ist ein Vehikel geworden, das selbst gezogen werden muss. Selbstverpflichtungen zur Sicherung der Qualität nach ISO 9000 ff verkommen zu hohlen Phrasen. Dicke Qualitätshandbücher verstauben in den Firmenbüros und auf den Baustellen; wer sollte sie dort auch lesen?  Die beschriebenen Veränderungen sowie eine Flut neuer und deshalb auch fehleranfälliger Bemessungsnormen im Bauwesen, all das schreit förmlich danach, vorbeugende Kontrollen nach dem Vier-Augen-Prinzip weiter zu verstärken.

 

 

Deregulierung höhlt bestehendes Sicherheitssystem aus 

Die politischen Tendenzen allerdings gehen gerade in die entgegengesetzte Richung. Allenthalben hört man von dort Rufe nach einer weiteren Deregulierung der Arbeitsmärkte, nach Abschaffung von Vorschriften, nach Entlastung der Bürger von Gebühren und nach Abschaffung "entbehrlicher öffentlicher Leistungen".Schon in den 60er Jahren begannen einzelne Bundesländer damit, die bautechnischen Prüfung scheibchenweise, sprich bei bestimmten Gebäuden, abzuschaffen. Der Eifer, sich gegenseitig bei der Freistellung von der bautechnischen Prüfung zu übertreffen, ist seither ungebrochen. Die Verpflichtung des Staates zum Schutz der Bürger vor Gefahren, die von Bauwerken ausgehen können, wird zusehends ausgehöhlt. Zahl und Umfang von Bauschäden haben zugenommen, die Beschäftigung von Schadensgutachtern ebenfalls. Die Kriterien dafür, wann auf eine bautechnische Prüfung verzichtet werden kann, sind dabei in der Regel an die Größe des Gebäudes gekoppelt, nicht aber daran, wie aufwändig das entsprechende Tragwerk konstruiert ist? 

Es ist an der Zeit, umzudenken.

Bislang gewährleistet das Instrument der bautechnischen Prüfung bei uns, dass Einstürze und Bauschäden frühzeitig verhindert werden konnten und die Schadensrate im Vergleich zu anderen Ländern äußerst niedrig geblieben ist. Doch das Bild könnte sich in Zukunft umkehren: Viele Gebäude, die zwischenzeitlich von vorbeugenden Kontrollen befreit wurden, stehen quasi auf der Kippe, da der planmäßige Sicherheitsvorrat so gut wie aufgezehrt ist. Bauherren, die in einer oft einmaligen Lebensleistung ein Haus gebaut haben, sehen sich langjährigen gerichtlichen Auseinandersetzungen ausgesetzt. Und das nur, weil ihnen mit politisch motivierten baurechtlichen "Vereinfachungen" schmackhaft gemacht wurde, auf Prüfungen und Kontrollen vor Ort zu verzichten, um etwa 0,6 % der Baukosten einzusparen. Gegen sinnvolle Maßnahmen zur Deregulierung bestehen keine Einwändungen. Sie müssen sich im Bauwesen aber nach wie vor an dem Grundsatz orientieren: "Prävention ist besser als Sanierung (und/oder Prozess)". 

Aus diesem Grunde dürfen bautechnische Prüfungen nicht nach politischen Interessen einfach Zug um Zug abgeschafft werden. Ob ein Gebäude von der Prüfung freigestellt wird, sollte anhand bautechnischer Kriterien entschieden werden. Dabei geht es nicht allein um die technische Sicherheit, sondern auch um die Rechtssicherheit und nicht zuletzt um den Verbraucherschutz des bauwilligen Bürgers. Falsch verstandene Deregulierung fördert Pfusch. Abhängig vom Schwierigkeitsgrad der Tragwerke sind unabhängige bautechnische Prüfungen und Bauüberwachungen nach vorgegebenen Kriterien auch bei solchen Gebäuden unentbehrlich, die keiner baurechtlichen Genehmigung bedürfen. 

In Baden-Württemberg betrifft dies im Wesentlichen die Wohngebäude. 

Nur so lässt sich erreichen 

  1. dass der volkswirtschaftliche Schaden, der in den Bauschadensberichten der Bundesregierung immer wieder beklagt wird, in Grenzen gehalten wird,
  2. dass der noch zugrundeliegende Sicherheitsstandard unserer Gebäude weiterhin aufrecht erhalten wird
  3. und dass bauwillige Bürger im Sinne des Verbraucherschutzes vor Schaden bewahrt werden, die mit ihrer Investition die Wirtschaftstätigkeit fördern.

Wie alles im Leben, so hat auch die bautechnische Prüfung ihren Preis, bei mittleren Wohngebäuden etwa 0,6 % der Gesamtbaukosten.

 

 

BVS GmbH & Co. KG sorgt für klare Rechnungsverhältnisse

Der Verfall der Baukosten hat zu einem ruinösen Wettbewerb um Planungsaufträge geführt. Darunter hat auch die Qualität der Tragwerksplanung gelitten. Planende und prüfende Ingenieure können jedoch ihre Tätigkeit in aller Regel nicht in Billiglohnländer verlegen; sie haben aber gegenüber ihren Mitarbeitern, die nach hiesigen Regeln entlohnt werden, eine klare soziale Verpflichtung. 

Um die Qualität der bautechnischen Prüfung aufrecht zu erhalten und eine Abrechnungen nach der gesetzlich vorgegebenen Gebührenverordnung sicherzustellen, haben die Prüfingenieure in Baden-Württemberg mit der BVS GmbH & Co. KG eine Dienstleistungsgesellschaft zur wirtschaftlichen Abwicklung der Prüfaufträge gegründet. Andere Bundesländer haben ebenfalls eine entsprechende Gesellschaft ins Leben gerufen oder sind gerade im Begriff dazu.