Kompetenz und Qualifikation der Prüfingenieure

Für Prüfingenieure gelten strenge Maßstäbe.

Prüfingenieure sind in den seltensten Fällen ausschließlich Prüfingenieure. In der Regel nehmen sie gleichzeitig die Aufgaben eines freiberuflichen beratenden Ingenieurs wahr. In dieser Doppelfunktion decken sie die beiden wesentlichen Aufgabenbereiche eines Bauingenieurs ab: Zum einen erstellen sie bautechnische Nachweise und zum anderen prüfen sie diese sorgsam. 

Das tut der Bauingenieur im Normalfall auch. Allerdings kommt dem grünen runden Stempel des Prüfingenieurs von Amts wegen großes Gewicht zu. Ohne seinen Stempel ist in der Regel bei den meisten Bauvorhaben eine Baufreigabe nicht möglich. Andererseits muss der Prüfingenieur eine Reihe harter Prüfungen durchlaufen, bevor er die erforderliche Anerkennung erhält. Und er muss auf mindestens 10 Jahre Berufserfahrung verweisen können. 

In diesem Zeitraum sollte er zudem eine Reihe schwieriger Bauvorhaben gemeistert haben. Wer all diese Voraussetzungen erfüllt, hat sich darüber hinaus anspruchsvollen Prüfungen zu unterziehen. Im Schnitt erfüllen nur etwa 10 bis 15 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber die an sie gestellten Anforderungen. Das harte Ausleseverfahren gewährleistet, dass nur hochqualifizierte Spezialisten dafür zugelassen werden, bautechnische Prüfungen durchzuführen. 

 


Hohe Anforderungen an Wissen und Können der Prüfingenieure garantieren qualifizierte bautechnische Prüfungen.

Die Prüfingenieure sind fachlich hochqualifizierte Bauingenieure, die durch die oberste Baurechtsbehörde des entsprechenden Bundeslandes anerkannt werden. In Baden-Württemberg wird die Anerkennung und das Anerkennungsverfahren als Prüfingenieur/in für Baustatik in der Bauprüfverordnung (BauPrüfVO) im §8 bis §14 geregelt.

Grundsätzlich werden dabei drei Fachrichtungen unterschieden:

(1) Metallbau
(2) Massivbau
(3) Holzbau

Die Anerkennung kann dabei für eine oder mehrere Fachrichtungen erteilt werden.

Voraussetzung dafür, um als als Prüfingenieur/in für Baustatik anerkannt zu werden, sind folgende Kriterien: 

  • Mindestalter 35 Jahre
  • Erfolgreich abgeschlossenes Studium des Bauingenieurwesens an einer Universität oder einer gleichwertigen Lehranstalt
  • Freiberuflich als Bauingenieur tätig
  • Mindestens 10 Jahre Berufserfahrung
  • Nachweis über die Anfertigung von bautechnischen Nachweisen für statisch und konstruktiv schwierige Bauvorhaben
  • Nachweis über die erforderlichen Fachkenntnisse
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Der Nachweis der erforderlichen Fachkenntnisse erfolgt im allgemeinen in drei Stufen. Zunächst muss die Bewerberin bzw. der Bewerber zehn statisch und konstruktiv schwierige Bauvorhaben benennen, für die sie oder er eigenverantwortlich die bautechnischen Nachweise erstellt hat. Die Landestelle für Bautechnik wählt geeignete Bauvorhaben aus und lässt sie durch Mitglieder des Anerkennungsausschusses fachlich begutachten.

Nach diesem ersten Schritt folgt eine schriftliche Prüfung auf den Gebieten Baustatik, Massivbau, Stahlbau, Holzbau, Bauphysik, Baurecht und technische Baubestimmungen. Wer diese schriftliche Prüfung erfolgreich besteht, wird anschließend zu einem Fachgespräch eingeladen, in dem vertieftes Wissen in den oben genannten Fachgebieten gefragt ist.

Im Schnitt erhalten nur etwa 10 bis maximal 15 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber nach dieser anspruchsvollen Prozedur die Anerkennung als Prüfingenieur/in. Auf der anderen Seite ist dadurch aber auch gewährleistet, dass nur hochqualifizierte Bauingenieure die Zulassung erhalten, bautechnische Prüfungen nach dem bewährten Vier-Augen-Prinzip vorzunehmen.